Fotostory

Hautsache

Die Haut als Medium für eine schmerzhafte Bildsprache:

Bereits Steinzeitmenschen bemalten ihren Körper. Tattoos signalisieren Zugehörigkeit, Ausgrenzung oder sind schlicht Kunst.

Text:  Janine Radlingmayr

Fatal

Im Geheimen tragen  Yakuza ihre Tätowierungen. In Nadelstreifenanzüge gekleidet, verhüllen Mitglieder der japanischen Mafia unter dem teuren Stoff kunstvoll verschlungene, grossflächige Dämonen, Blumen und Schriftzeichen – oft vom Knie bis zum Hals.

 

Tätowierungen assoziiert man in Japan direkt mit den Yakuza und Kriminalität. Deshalb dürfen Tätowierte meist nicht in öffentliche Schwimmbäder oder Fitnessstudios.

Sie zeigen ihre Tätowierungen voller Stolz: die lateinamerikanischen Gangmitglieder der Mara Salvatrucha. Gegründet Anfang der 1980er Jahre auf einem Spielplatz in Los Angeles, deckt die hochkriminelle Gang heute den ganzen amerikanischen Kontinent ab.

 

Die um die 75 000 Mitglieder tragen meistens ein Tattoo, das den Buchstaben «M» oder die Buchstaben «MS» enthält. Mit ihren Tattoos wollen sie sich von feindlichen Maras und der Mehrheitsgesellschaft abgrenzen.

Museal

Nicht tätowiert, sondern beschriftet:

Die Kalligrafikerin Monica Dengo und der Fotograf Marco Ambrosi geben nackter Haut eine Stimme.

 

Mit ihrer Serie «Body as Dream» möchten die Künstler zeigen, dass jede individuelle Existenz sich aus Worten formt und Gestalt annimmt.

Was Sie hier von Tim Steiner sehen, gehört ihm schon lange nicht mehr: Der Zürcher liess fast drei Jahre lang seinen Rücken tätowieren, um ihn dann an einen Kunstsammler zu verkaufen.

 

Nach Steiners Tod wird die tätowierte Haut chirurgisch entfernt, konserviert und vermutlich in das meistbietende Museum gehängt.

Spiritual

In ihren Gesichtern kann man lesen: Die Maori tragen ein «moko», das wie eine Art Code Aussagen über Herkunft und Rang des Trägers zulässt. Doch warum ausgerechnet eine Tätowierung  im Gesicht?

 

Der Kopf gilt bei den Ureinwohnern Neuseelands als der heiligste Teil des Körpers und sollte dementsprechend besonders geschmückt sein.

90 Prozent seines Körpers sind tätowiert: Rick Genest, genannt Zombie Boy. Den Kanadier schmücken allerdings nicht irgendwelche Blümchen oder springende Delfine, sondern das Abbild eines verwesenden Kadavers.

 

Das ist anscheinend todschick, denn Fashion-Fans jagt er regelmässig wohlige Schauer über den Rücken – so wie hier auf dem Laufsteg am Mercedes-Benz Prague Fashion Weekend.

Wir beraten Sie gerne zum Thema «Scrollytelling»

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